Sonntag 7.1.07

Mein Schülerpraktikum mache ich in der Elisabeth-Lernförderschule in Alsdorf.
Bisher habe ich einen sehr guten Eindruck von der Einrichtung, da ich bereits telefonisch und auch kurz persönlich Kontakt aufgenommen habe.
Als ich der Schule einen Besuch abstattete um mich vorzustellen, waren alle Leute dort sehr freundlich zu mir und ich freue mich sehr auf mein Praktikum.
Da ich auch gerne später in einem ähnlichen Beruf arbeiten würde, gehe ich morgen mit Vorfreude an mein Praktikum heran und bin gespannt was ich so erleben werde…

Montag, 8.1.07

Heute war dann also mein erster Praktikumstag…
Etwas nervös fuhr ich morgens das Erste mal dort hin und begab mich in das Lehrerzimmer. Das Kollegium war insgesamt sehr freundlich zu mir und dann entschieden wir, dass ich zunächst in die 1./2. Klasse gehen sollte.
Dort sah ich mir den Unterricht mit den Kindern an. Die Kinder waren sehr lebhaft aber gingen auch offen auf mich zu. Zuerst war Schreiben an der Reihe und später Rechnen, wobei ich den Kindern ein wenig helfen konnte. Zwischendurch gab es auch immer wieder Zeit zum Spielen, einige Kinder wurden von einer Ergotherapeutin mitgenommen und es wurde auch gesungen. Insgesamt eben ein abwechslungsreicher Schultag mit der Klasse.
In der Pause lernte ich auch schon Kinder aus höheren Klassen kennen, die auf dem Schulhof auf mich zukamen und mich freundlich begrüßten.

Dienstag 9.1.07

Heute hat mir mein Praktikum total viel Spaß gemacht.
Ich denke ich habe mich jetzt dort schon richtig gut eingelebt…
Als ich ankam, habe ich mich gleich gefreut, da mich alle Kinder sehr herzlich begrüßt haben, sogar einige, die ich vorher noch nicht mal kannte.
Generell sind die Leute auf der Schule sehr offen und irgendwie erfrischend. Natürlich haben sie untereinander viele Konflikte und können diese auch oft nicht lösen ohne aggressiv zu werden, aber zu mir sind sie immer gleich sehr freundlich. Auch die älteren kommen mir oft vor wie große Kinder, die weder oberflächlich noch voreingenommen sind, sondern sich einfach freuen, wenn man nett zu ihnen ist.
Sie reagieren lediglich genau so auf einen, wie man ihnen gegenübertritt!
Sie sind nur mit Konfliktsituationen leicht überfordert und können diese dann oft nicht friedlich lösen. Jedoch heißt das nicht, dass sie von sich aus aggressiv oder unfreundlich handeln würden.
Ich habe also schon Kontakt mit Schülern eigentlich aller Altersklassen gehabt und bisher fand ich das alles sehr positiv.
Heute war ich aber wieder im Unterricht in der 1./2. Klasse dabei. Die Kinder haben gelesen und generell hauptsächlich Deutschunterricht gemacht. Dabei sind die Unterschiede in den Leistungen innerhalb der Klasse relativ groß, aber die Lehrerin kümmert sich um alle Kinder gleich gut und jedes Kind kommt irgendwie an seine Erfolge. Ich konnte auch wieder ein bisschen helfen und in den Pausen auch wieder viel mit den Kindern spielen.
Außerdem hatten wir heute noch Sport mit dieser Klasse. Nachdem ein paar kleinere Schwierigkeiten beim Umziehen geklärt waren, da einige Kinder ihre Sportsachen nicht schick genug fanden, verlief das Turnen sehr schön.
Wir haben in einem Kreis einige gemeinsame Übungen gemacht und danach konnten die Kinder sich mit Matten, Bällen und Schaukelseilen austoben, was ihnen sehr viel Spaß gemacht hat. In der Pause habe ich mich mit ein paar Schülerinnen, die ich kennen gelernt habe, dazu entschieden morgen dann einmal in die 3./4. Klasse zu gehen.
Ich freue mich schon sehr darauf…

Mittwoch 10.1.07

In der 3./4. Klasse war es wieder sehr interessant.
Die Kinder aus dieser Klasse sind besonders anhänglich und lieb zu mir und mit ihnen mache ich auch öfters in der Pause etwas.
Im Unterricht lief alles ganz gut. Die meisten Kinder versuchten fleißig mitzuarbeiten, auch wenn vielen der Deutschunterricht noch schwer fiel.
In dieser Klasse sind besonders viele ausländische Schüler, die es natürlich auch dadurch schwerer haben.
In der Pause gibt es mittwochs und donnerstags ein Kiosk, in dem die Schüler einer bestimmten Klasse für die anderen Essen zubereiten, das man dann günstig kaufen kann.
Im Unterricht haben die Kinder zur Belohnung für Fleiß Geld für diesen Kiosk bekommen.
Besonders süß finde ich, dass die Kinder mir auch noch ständig etwas schenken wollen, obwohl sie doch selbst kaum etwas haben. Natürlich nehme ich das aber nicht an.
Nach der Pause hatten die Kinder dann Schwimmen. Das hat ihnen besonders viel Spaß gemacht. Ich habe zugesehen und mit denen geredet, die ihre Schwimmsachen vergessen hatten.
In der Pause gab es heute eine Prügelei zwischen zwei älteren Schülern, was allerdings wohl auch nicht so selten vorkommt. Die Lehrer sind dann aber auch gleich dazwischen gegangen. Vielen Schülern fällt es wohl manchmal schwer sich und ihre Aggressionen/Wut unter Kontrolle zu halten.

Donnerstag 11.1.07

Heute wollte ich zuerst wieder in die 3./4. Klasse. Aber weil diese heute den Kiosk vorbereiten sollten, bin ich dann in die 7. Klasse gekommen.
Ich war zuerst etwas unsicher, da diese Schüler ja deutlich älter sind, als die, bei denen ich vorher war, aber das war unnötig.
Im Unterricht konnte ich ihnen bei Mathe helfen und sie hatten auch noch Sachkunde und ein bisschen Deutsch. Ich bekam die Aufgabe einem Jungen beizubringen, wie man die Uhr liest. Es klappte noch nicht perfekt, aber ein bisschen hat er schon was verstanden.
In der Pause kamen auch diese Schüler sehr offen auf mich zu und ich habe mit ihnen Mau-Mau gespielt. Die Kinder sind sehr interessiert an Fußball und ich habe mit ihnen viel darüber geredet. Auch in der Pause haben sie Fußball gespielt und waren sehr stolz, wenn sie dabei Erfolg hatten. In der 7. Klasse empfand ich den Unterricht als deutlich ruhiger als in den unteren Klassen. Die Schüler können sich schon besser konzentrieren und verhalten sich auch untereinander sozialer, auch wenn es auch hier hin und wieder einen Konflikt gibt.
Nachher hatten wir Sport und wir haben Völkerball, Zombieball und Fußball gespielt.
Die Mädchen der 7. Klasse sind in einer Tanz-AG, die immer montags stattfindet und davon sehr begeistert. In der Umkleidekabine haben sie mir ihren derzeitigen Tanz gezeigt.
Am Montag werde ich mir das dann mal ansehen.
Was ich besonders schön fand heute, war, dass ein Junge mich gefragt hat, ob ich nicht in der Schule als Lehrerin bleiben wolle, wenn eine Lehrerin am Ende des Monats die Schule verlässt. Langsam wird es sehr schwer für mich, mich zu entscheiden in welche Klassen ich gehen soll, denn am liebsten würde ich bei allen Kindern bleiben, die ich bisher kennen gelernt habe. Ich habe auch einmal zwei Zweitklässlerinnen gefragt, die türkisch sind und ihnen macht Mathe viel Spaß, Deutsch aber eher nicht so…
Auch die Kinder in der 7. Klasse waren in Mathe viel stärker als in Deutsch, obwohl es dort keine ausländischen Schüler gibt. Der Lehrer sagte mir, dass das wohl generell der Fall ist, da viele Kinder starke Leseschwierigkeiten haben.

Freitag 12.1.07

Ich war 2 Stunden mit in der 1./2. und 2 Stunden mit in der 3./4. Klasse.
Es war auch wieder alles sehr interessant, aber heute gab es mal keine besonderen Ereignisse…
Der Schulleiter hat mich letztens auf die Frage gebracht, in wie weit das Lernen an einer Lernförderschule etwas bringt oder nicht? Ich wollte mich mit dieser Frage auch mal ein wenig beschäftigen… Es ist traurig, wenn man darüber nachdenkt, dass die Kinder auf der Schule wahrscheinlich nicht sehr viele Chancen in der Zukunft haben werden. Ihre Fähigkeiten sind nun mal sehr begrenzt und sie können schwer lesen und sich vieles nicht so gut merken. Aber teilweise sind es echt sehr liebe Personen, bei denen ich mir auch gut vorstellen kann, dass sie sich gut in irgendeinem handwerklichen Beruf integrieren können.
Ich sehe außerdem auch Fortschritte zwischen den unteren und den etwas höheren Klassen. Die Kinder sind disziplinierter, können sich schon besser konzentrieren und verhalten sich auch untereinander viel respektvoller. Insgesamt denke ich einfach, dass die Schüler zwar langsam lernen, aber dennoch Fortschritte zu erkennen sind. Schüler, die sich wirklich anstrengen, zeigen auch, vor allem in Mathe, große Lernerfolge.
Vor allem aber ist diese Schule sehr wichtig, da die Schüler wohl aus sozial schwachen Familien stammen und viel über Umgang im sozialen Leben lernen müssen.
Ich finde es schön, wenn die Kinder noch an ihre Träume glauben können (z.B. möchte ein Mädchen Friseurin werden) und ich denke, dass sie die Chance bekommen sollten, diese auch zu verwirklichen. Durch Praktika in der 8. Klasse werden die Schüler ja auch auf dieser Schule schon einmal ans Berufsleben herangeführt.
Man sollte die Menschen jedenfalls nicht aufgeben und deswegen denke ich auch, dass der Unterricht viel Sinn macht, selbst wenn jedes Kind jeden Tag nur ein ganz kleines Bisschen lernt.


Montag 15.1.07

Heute hatte ich gleich zwei Geburtstagsfeiern in der Schule.
Zuerst war ich in der 3./4. Klasse, weil ich dort auch schon wusste, dass ein Mädchen Geburtstag hatte. Außer dass das Geburtstagskind Süßigkeiten verteilt hat, haben wir über das Wochenende von allen geredet und danach dann Mathe gemacht. Ich war ein bisschen im Stress, weil alle Kinder heute viel Hilfe von mir wollten, was mich sehr gefreut hat.
Innerhalb dieser Stunden hat mich auch meine Praktikumsbetreuerin Frau Gottschalk besucht und ich habe ihr meine bisherigen Eindrücke geschildert. Ich hab mich gefreut, weil wohl auch die Lehrer ihr Positives über mich erzählt hatten. In der Pause musste ich ein Mädchen aus der 1. Klasse trösten, das sich beim Hinfallen an der Hand verletzt hatte.
Nach der Pause war ich wieder mit in der 7. Klasse, wo wir den Geburtstag eines Jungen gefeiert haben. Danach bin ich mit den Mädchen dieser Klasse ihre Tanz-AG besuchen gegangen. Sie haben mir sehr stolz vorgetanzt und die Tänze waren auch wirklich sehr schön.
Außerdem habe ich mich bei der Lehrerin der Tanz-AG, die gerade erst ihre Prüfungen bestanden hat, mal über das Studium zur Sonderpädagogin informiert…

Dienstag 16.1.07

Heute habe ich den Unterricht einer 10. Klasse angeschaut.
Diese Klasse macht einen normalen Hauptschulabschluss, was für so viele Schüler aus der Elisabethschule ein großer Erfolg ist.
Die Schüler schreiben im Moment an Bewerbungen, um sich auf einem Berufskolleg zu bewerben. Ich habe viel mit der Lehrerin geredet und sie konnte mir so einiges erzählen.
Die Klasse war sehr diszipliniert und motiviert, trotzdem war ihr Leistungsstand immer noch höchstens der einer 8. Klasse des Gymnasiums.
Die Klasse hat vor einem halben Jahr auch mit English angefangen. Dies fällt ihnen aber sehr schwer, da sie sich ja zum größten Teil auch noch mit Deutsch schwer tun.

Mittwoch 17.1.07

Der Tag heute war wieder total schön und interessant.
Schon vor dem Unterricht hatte ich ein lustiges Gespräch mit einigen Kindern. Manche Schüler sind mir schon so richtig ans Herz gewachsen, das sind sowohl ein paar jüngere, als auch ein paar ältere.
Nachdem ich gestern bei den ältesten Schülern war, war ich heute noch mal bei den ganz kleinen. Da die Lehrerin eine Zeit auf eine andere Klasse aufpassen musste, habe ich für eine Weile den Deutschunterricht übernehmen dürfen 
Ich habe Sätze wie „Rolf ruft Mimi“ oder „Lilo malt Ralf“ angeschrieben, die die Kinder dann abschreiben und Lesen.
In der Pause war wieder Kiosk und danach gab es noch Matheunterricht. Einige Kinder wurden währenddessen von einer Logopädin abgeholt und ich habe wieder ein bisschen beim Rechnen geholfen. Für morgen bin ich schon wieder fest in der 7. Klasse verplant!

Donnerstag 18.1.07

Ich war wieder in der 7. Klasse von Herrn Busch.
Dort haben sie heute Deutsch und Mathe gemacht, wobei ich wieder ein wenig geholfen und viel zugesehen hab. Ich finde es immer wieder sehr interessant die Kinder bei ihrer Art zu lernen zu beobachten. Da es heute eine Sturmwarnung gab, mussten alle in der Pause drinnen bleiben. Wir haben uns was im Kiosk gekauft und dann habe ich mit ihnen Gesellschaftsspiele gespielt. Nach der Pause hatten sie Sport, wobei sie auch unbedingt wollten, dass ich zugucke.
Wir hatten aber leider keinen Schlüssel, weswegen es fast schon hätte ausfallen müssen.
Ich habe dann aber noch einen Ball organisiert und sie konnten Fußball spielen.
Dabei haben sie sich ausgesprochen gut benommen, weil Mannschaftsspiele sonst oft Probleme machen. Da ich Fußball sehr mag, hat es mir auch Spaß gemacht dabei zuzuschauen. Teilweise spielen sie auch richtig gut.
Nach dem Unterricht habe ich mich mit ein paar Jungs auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht. Sie haben mich vor dem „Hurrican“ beschützt 

Montag 22.1.07

Jetzt sind schon meine letzten Tage angebrochen.
Heute war ich wieder den ganzen Tag in der 1. Klasse. Es gab die üblichen Fächer und ich konnte wieder hier und da helfen und während der Freiarbeit mit den Kindern reden und basteln. Ich habe heute meinen Fotoapparat mit in die Schule genommen und für mich ein paar Erinnerungsfotos für mich geschossen.
In der Pause und vor der schule habe ich dann mit einigen Mädchen „Modelfotos“ auf dem Schulhof geschossen. Die sind auch richtig schön geworden…
Nachmittags war an der Schule heute Elternsprechtag.

Dienstag 23.1.07

Heute war ich wieder den ganzen Tag in der 7. Klasse.
Ich habe auch mal ein paar neue Unterrichtsfächer dort erlebt, nämlich Geschichte und English. Die Fächer haben den Kindern, trotz aller auftretenden Probleme, viel Spaß gemacht.
Außerdem habe ich heute noch ein paar Fotos mit ihnen gemacht.
In der Pause habe ich mich mit der Lehrerin der 10er Hauptschulklasse der Schule unterhalten und erfahren, dass einige der Schüler jetzt schon auf einem Berufskolleg angenommen sind, was ein sehr großer Erfolg für sie ist.
Morgen ist dann leider schon mein letzter Tag, wo wir ein bisschen Abschied feiern.

Mittwoch 24.1.07

An meinem letzten Tage habe ich heute überall Abschied gefeiert.
Ich habe den Kindern Süßigkeiten mitgenommen und bin noch mal in alle drei Klassen gegangen, in denen ich am meisten war.
Insgesamt hat mir das Praktikum sehr gut gefallen und die Kinder waren die ganze Zeit über sehr freundlich und anhänglich.
Ich finde es immer noch wichtig, dass Kinder mit solchen Lernschwächen und emotionalen Fehlentwicklungen stark gefördert werden und kann mir auch sehr gut vorstellen später selbst in einem ähnlichen Beruf zu arbeiten.
Das ganze Praktikum empfinde ich als eine sehr positive Erfahrung.