Das ist eine Art "Brief", den ich an meine Oma geschrieben hab, nachdem ich erfahren hab, dass sie nie mehr aufwachen wird und bald sterben muss. Es ist sehr persönlich und niemand muss es lesen, wenn er sich nicht stark genug für sowas fühlt.
Ich musste das nur irgendwohin tun, weil ich ihr das alles nie mehr selber sagen konnte... und weil ich nicht weiß wohin mit allem, was ich so fühle und was mich so traurig macht...

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Oma…
Wir hatten viel zu wenig Zeit miteinander!
Ich hab ja nie gewusst, dass so was plötzlich mit dir passiert.
Du hast so was wahrscheinlich oft befürchtet, du hast ja immer so viel befürchtet.
Aber davon abgesehen hast du glaube ich immer vieles Andere noch mehr befürchtet.
Ich hoffe so sehr, dass du das, was du im KH noch alles mitmachen musstest nicht mitbekommen hast.
Es war schlimm dich dort zu sehen, aber ich hab noch gehofft, dass alles wieder besser wird.
Ich weiß, dass die Chance klein war, aber die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt.
Irgendwann ist sie dann aber doch gestorben….
Ich frage mich, wann ist man denn jetzt eigentlich tot?
Ist man tot, wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert, wenn man nichts mehr mitbekommt?
Oder ist man erst tot, wenn auch der Körper gestorben ist?
Wie ist das, wenn man da ist, aber doch nicht da ist?
Ich hoffe, dass es einfach nur ist wie schlafen. Ich hoffe, dass man keine Schmerzen spürt, dass man nicht mitbekommt, wenn Leute um einen herum weinen. Ich hoffe es so sehr.
Natürlich wäre es viel schöner gewesen dir persönlich „Lebe wohl“ zu sagen.
Aber was genau soll daran „schön“ sein?
Eigentlich ist diese Vorstellung auch einfach nur schrecklich.
Jede Vorstellung, die einschließt dich nie wieder zu sehen ist schrecklich.
Es ist alles so ungerecht, es tut so verdammt weh.
Ich weiß nicht mehr wie ich alles auf die Reihe bekommen soll.
Ich will immer so stark sein. Ich habe gelernt mir so was nicht anmerken zu lassen.
Da kann man ja gut die Maske drüber ziehen, das klappt immer.
Es würde zu weh tun jedem noch mal einzeln zu erzählen, was mit dir passiert ist.
Aber ich bin froh, dass ich viele Leute kenne, die an mich denken. Viele tolle Leute sind für mich da, auch wenn ich es nie gerne annehme und lieber alleine bin.
Ich frage mich ob man merkt, dass Leute um einen trauern?
Wenn ja, dann müsstest du ganz viel merken. Wir sind alle sehr traurig.
Gestern als ich noch mal bei dir war, hab ich dir ja auch vieles gesagt, aber ich denke du hast das ja nicht mitbekommen. Ich hoffe du weißt es trotzdem alles!
Die anderen sind auch so fertig, ich möchte so stark sein und für sie da sein.
Aber ich kann das nicht immer. Ich will nicht, dass sich auch noch irgendwer um mich Sorgen macht, aber gerade deswegen hab ich viel Streit mit Mama.
Ich möchte mich nicht mit ihr streiten, aber es ist oft so schwer mit uns, das weißt du ja.
Ich hoffe wir haben dir nicht zu viele Sorgen bereitet deswegen. Ich werd nie vergessen, wie du mir angeboten hast, dass ich immer mit dir reden kann, auch wenn ich Streit mit Mama hab. Das fand ich sooo lieb von dir.
Du warst einfach ein toller Mensch!
Naja, jetzt bin ich wieder ziemlich am weinen. Ich vermisse dich einfach so.
Ich werde dich nie vergessen, das verspreche ich.
Und du warst die beste Oma, die man haben kann.
Ich hoffe, dass wir uns irgendwann wieder sehen auch wenn ich nicht weiß wie.
Machs gut… Farewell…